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Wie schreibt ein Youngster die Partitur?

Blick voraus im Zorn:
Thomas C. Breuer kam mit dem Biss eines Rottweilers ins Alte E-Werk


Nicht Comedy, sondern Kabarett war angesagt: Thomas C. Breuer kam nach Neckargemünd. Foto: Alex

Ein volles Haus zur 50. gemeinsamen Veranstaltung des Arbeitskreises Kultursommer und des Alten E-Werks – das war zu erwarten, wenn ein Kabarettist wie Thomas C. Breuer auf dem Programm steht. Zweimal war er bereits zu Gast. Und seither mögen ihn die Neckargemünder, den witzelnden Sprachwächter und kalauernden Sprechakrobaten mit dem stark an Fernandel erinnernden Mundwerk. Getragen von einer aufmerksam lauschenden und rundum lachbereiten Fangemeinde erwartete den mittlerweile in Rottweil ansässigen Kabarettisten („damit meine Texte bissiger werden“) für seine Jahresvorschau 2006: „Blick voraus im Zorn“ ein pures Heimspiel.

Wissend um die begrenzte Haltbarkeitsdauer seines Programms verzichtete Breuer auch dieses Mal darauf, die Texte auswendig zu lernen. Er las vom Blatt, was seinem wortgewaltigen, mit viel Mundart versetzen und Stegreif-Pointen gespickten Vortrag jedoch kaum anzumerken war. „Ihr wollt was hören über 2006? Mein Gott, seid ihr mutig!“ Klar, dass ein Kabarettist schon rein aus beruflichen Gründen nicht auf positive Dinge schaut, sondern auf das, was schief läuft in der Republik.

Was gibt es also Neues von Breuer, verpackt in eine Jahresvorschau? Im Prinzip wenig, im Detail viel. Schnell tauchten sie wieder auf, die bekannten Breuerschen Lieblingsübel der Nation: die Politiker, die Mehdornsche Bahn (Breuer ist passionierter Bahnfahrer) und die deutsche Leitkultur, die bekalauernswerterweise immer mehr zu einer „Kultur light“ mutiert.

Aber eigentlich ist es ganz egal, von welchem Thema Breuer spricht: Es interessiert ihn stets das Sprachliche daran – die vielfältigen Ausdrucksweisen und Bedeutungswandlungen der deutschen, vom „Denglish“ gebeutelten und „misshändelten“ Sprache. So fragt er in die Runde: Wie schreibt wohl heute ein „Youngster“ das Wort „Partitur“? Ein wunderbarer Bananenwitz, also einer, der erst beim Kunden beziehungsweise Zuhörer reift, und das kann auch mal dauern.

Eine ganz neue Seite von sich zeigte Breuer als „Blues-Harp Man“: In einem selbstgebastelten Blues mit Mundharmonikabegleitung gestand er seine große Abneigung gegen alpine Sportarten, gipfelnd in furchtbarsten „Bindungsängsten“ beim Skifahren. Dass so ein Mann große Sportereignisse klein schreibt, liegt nahe. Das Topereignis Fußballweltmeisterschaft hielt er sich – und dankbaren Teilen des Publikums – weitgehend vom Leibe und beließ es bei einem Beitrag eines vor sich hinschwäbelnden Nationaltrainers.

Die monatlichen Ereignisse, die Breuer vorausschauend Revue „kapitulieren“ ließ, schienen mit Kalauern bestens abhandelbar zu sein. So richtig deftige, kämpferische, auch mal unversöhnliche Töne gab‘s zum Schluss in den Zugaben: Der Abend endete mit einem Parforceritt durch die Gefiedersprache zum Thema Vogelgrippe – noch ist sie ja in der Türkei, und wir können drüber lachen.

Neckargemünd. (itb)
Quelle: Rhein Neckar Zeitung, 09.01.2006 - Regional - Kreis Heidelberg
www.rnz.de

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Aktualisiert am 09.09.2009