Thomas Breuer überzeugt in Kunst & Bühne
Der Monat Dezember ist traditionell nicht nur die Zeit von Glühwein und Punsch, sondern auch unzähliger Rückblicke auf das abgelaufene Jahr. Thomas C. Breuer bot vor gut besuchter Kunst und Bühne mit einer kabarettistischen Vorschau auf das kommende Jahr wohltuend das Gegenteil und durchschritt dabei wortgewaltig und sprachgewandt die vor uns liegenden zwölf Monate.
Mit nur wenig Bühneneinsatz verstand es Breuer, die Leute in seinen Bann zu ziehen: Nüchtern im Anzug, trocken im Auftritt, am Stehtisch, mehr Lesung als wirkliches Kabarett, wie man es kennt - und eben doch ein Erfolg. Nicht jeder kann das. Breuer wandelte rund 100 Minuten mit Bravour auf diesem schmalen Grat. Das Publikum, durchweg jenseits der Lebensmitte, war gefordert. Da bedurfte es schon einer guten Portion Intellekt, um dem verbalen Dauerbeschuss einfacher bis komplizierterer Wortverdrehungen und Stilblüten standhalten zu können.
Vieles Gesprochene oder besser: vom Blatt Abgelesene wäre objektiv betrachtet noch nicht einmal sonderlich witzig gewesen. Breuer verstand es, mit Nuancen in der Betonung, Verballhornungen und nicht zuletzt mit überzeugender und teilweise harmlos wirkender Miene, den Dingen sein kabarettistisches Krönchen aufzusetzen. Manche ausgesandte Pointe reifte erst auf dem Weg zum Kunden, was der Künstler, als er dies merkte, mit der Gruppe der Bananenscherze umschrieb. Man könnte auch Zeitzünderwitze dazu sagen. Schon das Zusammenspiel von Reaktion und Gegenreaktion machte Vergnügen. Blindgänger oder Rohrkrepierer, die dem aufmerksamen Beobachter in diesem verbalen Feuerwerk sicher nicht entgangen sind, erschienen da eher unbedeutend.
Auch Höhepunkte der leichteren Kost gab es, beispielsweise die originalgetreuen Aufzeichnungen von Bahnansagen der vergangenen Jahre oder Seitenhiebe auf die Casting-Kultur der bunten Sender mit Daniel Küblböck als "Blödmann der Herzen" oder Angela mit dem "Bundesbetroffenheitsgesicht" der Nation. Natürlich bekamen auch andere Größen aus der politischen Szene ihr Fett weg, wobei Breuer gleich mit einflocht, dass das Geschäft mit diesem Genre zusehends schwieriger werde. Schließlich wisse man nie, ob der Gescholtene, für den man etwas erdacht habe, im Zeitpunkt des Auftritts überhaupt noch im Amt sei. Insofern handle Breuer mit leicht verderblicher Ware. Trotzdem wagte der Kabarettist noch einen Ausblick nach 2005 und stellte die Prognose, es gehe aufwärts. Ihm jedenfalls käme es schon hoch. Schauen wir mal.
(Kultur Regional, Karsten Hälbig, 10.12.2003)
