Portrait
Als Mann an der Espressomaschine ist er über die Republik gekommen und zur Altarfigur für fortgeschrittene Kabarettjünger geworden, abseits durchgekauter Stereotypen comedytechnischer Art. Das war nie sein Ding, schon gar nicht 20 Jahre lang, die er jetzt die Bühnen von Deutschland bis in die Schweiz heimsucht. Zeit, zurückzuschauen heißt die Devise des Abends im Pariser Hoftheater...
Doch wer ihn kennt, weiß, daß das Abspulen alter Highlights nicht kompatibel ist mit Breuers "anderem Kabarett". Aktualisieren, Korrigieren, Improvisieren beim Wühlen im Archiv. Dabei wird so manches Bonbon aus den frühen Tagen ans Licht gefördert, ohne schal zu schmecken. In seiner wilden Mischung aus Kabarett und Lesung - Breuer beschäftigt sich nebenher als Schriftsteller - schlendert er in fast nebensächlichem Plauderton vorbei an nervigen Umweltheimsuchungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die er versucht mit karikierender Boshaftigkeit in ihre Schranken zu weisen. Ein aussichtsloser Kampf, den jeder Kabarettist da ausficht, doch ohne dieses Ventil winkt die Klapsmühle, aus der sich der Breuersche Wortwitz immer wieder souverän befreit.
So unvermutet wie unerwartet kommen die ironischen Querschläger, daß man kaum Zeit hat in Deckung zu gehen. Anspruchsvoll hinterhältig und nichts für schwache Nerven. Dazwischen liebt er es auch gern mal schwarz beim Besuch im Killergarten, wo schon die Kleinen den Umgang mit Handfeuerwaffen so sicher beherrschen wie Super-Mario auf dem Nintendo. Er sieht sich selbst als ausgesprochen inländerfeindlich in einer Heimat, die sich an der Theke des Lebens kräftig sturz- und stockbetroffen säuft. Breuer besitzt eine treffsichere Spürnase für die entlarvenden Alltagsmuster seiner Mitmenschen. Gegen seine Gedichte und Texte, Raps und Glossen ist selbst der Humorloseste nicht immun...
(Dirk Pennigsack, Wiesbadener Kurier am 17.10.1998)