Zum Text springen


Lesen Sie doch grad, was Sie wollen >> Aktuelle Programme / Booking:

«Wenziwenzoguezi», Herr Breuer

Der deutsche Autor und Kabarettist Thomas C. Breuer hat die Schweiz nicht nur durch-, sondern mit Enthusiasmus bereist. Entstanden ist das Buch «Schweizfahren», das Breuer am Mittwoch in der Churer «Werkstatt» präsentieren wird.

Thomas C. Breuer ist in den letzten Jahren viel herumgekommen in den Gestaden Helvetiens. Es scheint fast, der deutsche Autor kenne die Schweiz besser als so mancher Einheimische. Basel, Baden, Solothurn, Schaffhausen, Interlaken, Bern, Moutier, Yverdon, Glarus, Locarno und Chur sind nur einige wenige Stationen Breuers. Seine zahlreichen Erlebnisse in der Schweiz und mit den Schweizerinnen und Schweizern hat Breuer in seinem neuen, am Samstag erschienenen Buch «Schweizfahren» ebenso zu Papier gebracht wie die daraus resultierenden Folgerungen und Traumata.

Aufmerksamer Beobachter

Am Mittwoch wird er seinen neuen Wurf in der «Werkstatt» in Chur präsentieren. Dort ist er nicht das erste Mal zu Gast. Bereits vor knapp zwei Jahren hat der Wortspieler und Sprachkünstler sein Talent unter Beweis gestellt. Und gezeigt, dass er nicht nur ein wortwendiger Schreiber und sensibler, aufmerksamer Beobachter ist, sondern auch ein wunderbarer Vorleser und Unterhalter, der einen Leseabend spielend auch improvisierend bestreiten kann.

Seit Jahren ist Breuer stolzer Besitzer eines Halbtaxabonnements. Folglich haben ihm während seiner Reisen hauptsächlich die Schweizerischen Bundesbahnen, die SBB, als Fortbewegungsmittel gedient. Und die SBB, die habens Breuer offenkundig angetan, was ganz verschiedene Gründe hat. Unter anderem wird dem SBB-Reisenden nicht «detailgetreu jeder Streckenkilometer im Voraus beschrieben», was hingegen dem Touristen im Bernina-Express schon passieren könne. Ausserdem scheint Breuer die Pünktlichkeit der SBB ans Herz gewachsen zu sein - ebenso wie die «sauber ausformulierten und artikulierten Ansagen: Nägscht stop will be Baysel».

Eben dort beginnt auch Breuers literarische Reise. Genauer gesagt beginnt sie während der Fahrt vom Badischen Bahnhof nach Basel. Eine Strecke, die «mit der völligen Abwesenheit von Landschaft die letzte Erholung für das Auge ist, bevor die Schweizer das gewohnte Sperrfeuer an landschaftlichen Reizen auf den Reisenden loslassen». Auf den folgenden knapp 280 Seiten führt Breuers Trip kreuz und quer durchs ganze Land und berücksichtigt auch Metropolen wie Schönbühl-Urtenen (Bern).

Sarganser im Kongo

Selbstredend wird auch der «Wilde Osten» in einem Kapitel behandelt. In St. Moritz etwa leuchtet Breuer endlich ein, warum die Schweizer den Maler Giovanni Segantini so sehr verehrten («Er malte grössere Mengen Kühe»), und in Pontresina findet er heraus, warum das dortige Klima der Tuberkulose erfolgreich entgegengewirkt hat («den Bazillen wars so langweilig, dass sie den Freitod vorgezogen haben»).

Weshalb Breuer den Sarganser Bahnhof mit demjenigen einer Missionsstation in Kongo «nach dem Durchzug marodierender Truppenkontingente aus Ruanda und Uganda» vergleicht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Und auch nicht, ob das Schweizerdeutsche tatsächlich mit der afrikanischen Sprache Bantu verwandt ist (behandelt am Fallbeispiel «Wenziwenzoguezi»). Denn das lässt sich in seinem Buch erfahren. Oder aber am Mittwoch in der «Werkstatt». Vielleicht erzählt Breuer bei dieser Gelegenheit auch gleich, wie und warum er in Davos beinahe seiner «Männlichkeit verlustig gegangen wäre».

(Quelle: Rahel Schneppat, Die Südostschweiz)

Aktualisiert am 09.09.2009