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Die Gehirnzellen sind gefordert

Thomas C. Breuer brilliert im Unterhaus

ok. Den "Gipfel der Globalisierung" will Thomas C. Breuer ausgemacht haben: Eine Andencombo in der Fußgängerzone, die den Klassiker "Griechischer Wein" von Udo Jürgens darbietet. Dabei komme ein Saiteninstrument namens Charanga zum Einsatz, bei dem es sich um "ein umgebautes Gürteltier" handele. Da solle Amnesty International einschreiten, so die Empfehlung des traumatisierten Breuer. Das Publikum kann nicht anders, als Lachsalven abzuschießen. Erst recht, weil sich der Mann da vorne auf der Bühne, der sich unter anderem als TAZ-Kolumnenschreiber und Reiseautor der Süddeutschen Zeitung verdingt, einer brillanten Körpersprache bedient.

Die Globalisierung ist zentrales Thema in "Pfeffer und Salsa", dem aktuellen durch Liedbeiträge angereicherten Bühnenprogramm, mit dem Thomas C. Breuer derzeit durch die Lande tingelt. Darüber hinaus widmet sich der selbst ernannte "literarische Kabarettist" Themen wie der Dauerbeschallung der Jugend von heute mit stumpfen Rhythmen. der sich dramatisch verändernden Bäckereienlandschaft oder der gastronomischen Unart, das noch so banalste Menü wie die Kreation eines Fünf-Sterne-Kochs klingen zu lassen. Breuer tut dies mit dem ihm eigenen Blick des Satirikers, der hinter dem Vordergründigen das Tiefsinnige bedient.

Die Art, wie er die Pointen zündet, ist erfrischend anders, denn stets ist gekonnte Wortakrobatik im Spiel. Kostprobe gefällig? "Politik ist eine Sache, von der Layen keine Ahnung haben", formuliert Breuer spitz und lässt sodann auch andere Politgrößen wie Westerwelle, Gabriel oder Schäuble über die kabarettistische Klinge springen. Zur Klimadebatte hat er seine ganz eigene These entwickelt. "Vielleicht erwärmt sich die Erde ja immer schneller, weil es zu viele soziale Brennpunkte gibt, beziehungsweise ARD-Brennpunkte nach der Tagesschau?"

Köstlich, wie er das Phlegma der Jugend aufs Korn nimmt. Von unterschiedlichsten Rhythmen wie "umpf, umpf" oder "bubuff, bu-buff" seien die Jugendlichen tagtäglich von morgens bis abends beschallt.

Mit einer "Umpferia", in der es "Umpf to-go" zu kaufen gäbe, lasse sich bestimmt das schnelle Geld machen und überhaupt solle das Wort Zukunft umgeändert werden in "Zukumpf", denn das klinge krasser und mache den Kids nicht so viel Angst davor.

Das Gute an Breuer: Die Gehirnzellen sind permanent gefordert. Enervierender Comedy-Quatsch Fehlanzeige.

Allgemeine Zeitung Mainz 6.3.2008

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Aktualisiert am 09.09.2009