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Sprachjongleur contra Sprachuntergang


©tawfrankenthal.de

Kabarettist Thomas C. Breuer über "Rhineland Falls.",
die Pfälzer und die Welt - Gastspiel im TAW

Der im Norden raue, im Süden mediterrane Landstrich Rheinland-Pfalz, im Osten begrenzt vorn gemächlich hergab fließenden Rhein, dieser Vielvölkerstaat in der Mitte Einopas könnte statt in Deutschland doch genauso gut in den USA Gegen. Meint Thomas C. Breuer und führte den Beweis am Samstag mit seinem aktuellen Programm "Rhineland Falls" im Frankenthaler Theater Alte Werkstatt .

„Du bist Rheinland-Pfalz" deutet Breuer über die etwa 70 Köpfe ins Publikum. „Pfälzer legt euren Hang zum Untertreiben ab", könnte seine Aufforderung lauten. Denn Land und Mein sehen haben doch durchaus liebenswert-menschelnde Züge. Thomas C. Breuer muss es wissen. 1952 in Eisenach geboren, wuchs er in Bad Eins auf inmitten einer Familie von Hoteliers und Gastronomen, erzählte er. Machte eine Buchhändlerlehre um sich ab 1977 seiner Berufung, dem Wort, zu widmen. Als „Kabarettist und Schriftsteller" bezeichnet er sich, will sich bewusst abgrenzen zum heute an so beliebten Comedian. Der Unterschied besteht für Breuer für politischen Bezug. Auch im intellektuellen Inhalt, könnte der Zuhörer folgern. Denn Breuer, der, dialektfrei aufgewachsen, mit einem immensen Wortschatz und vielerlei Dialektfärbungen virtuos umzugehen weiß, braucht, um sein Publikum zu fesseln, nicht unter die Gürtellinie zu gehen - wie heute all so beliebt.

Mit seinem neuen Buch und Programm "Rhineland Falls" beleuchtet Thomas C. Breuer die vielen Licht und wenigen Schattenseilen des Landes. Hier in Rheinland-Pfalz auf den Spargelfeldern sei der Blues geboren und mit den Auswanderern des i9. Jahrhunderts nach Amerika gekommen, erzählt er, bluesig ertönt sein Gesang zum selbst gestrickten deutschen Feldarbeiter-Text, eigenhändig begleitet auf der Mundharmonika. Breuer blickt zurück in die Geschichte unseres Bundeslandes, streift die Kulturpolitik, erinnert an das erste Privatfernsehen aus Ludwigshafen, das doch Geber "privat geblieben wäre", oder an den ersten Fernsehkoch, der natürlich aus der Pfalz kam. Damit beginnt sein„ernährungstechnischer Parcours". Er karikiert Latin Lover Josef Lafer oder Küchenpapst Alfred Biolek, liefert einen akribischen Essay zum Thema Soßen und Mehlschwitzen und wirft einen Blick auf das Speisekartendeutsch, auf Formulierungen. die, wie „... vom Aal gekocht“ oder „Jägersoße - sind da Jäger drin", sich beim genauen Hinsehen als grotesk erweisen. Humor hat, wer über sich selber lacht. Breuer outete seine Familie als „Erfindet der Wandergarnitur". Dabei werde der Teller- Dekosatz-Salatblatt, Tomatenschnitte Paprikastreifen - durch „Recycling" auf 15 Stück pro Jahr reduziert. „Das Untergang der Sprache" bedauerte der Kabarettist ebenso wie die allzu vielen Anglizismen. Er sezierte Wortgebrauch und Wortdeutung, schöpfte Worte, jonglierte mit ihnen ... so rasend schnell, dass man mitunter nachdachte und schon den Anschluss verpasst hatte. Wie bei der Bahn. Auch das ein Thema für Breuer: Zugfahren als letztes Abenteuer der Menschheit, die „mediterrane Lockerheit" als Markenzeichen. „Geh einfach zum Bahnhof, irgendwas fährt immer“ lautet sein Geheimtipp. Mit diesem Thema durfte Breuer auf ein selbst erfahrenes Publikum zählen.

Ob er wohl auch mit seinem Vorschlag zur Unfallverhütung einen Treffer landete? Sein Rat: Bei 200 Weinfesten in Rheinland-Pfalz ab Frühsommer allen Rheinland-Pfälzern den Führerschein entziehen.

© Theater Alte Werkstatt Frankenthal eV. (01.04.2006) www.tawfrankenthal.de

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Aktualisiert am 09.09.2009