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"Steile Karrieren sind nach beiden Seiten steil"

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Foto: © Horst Hamann

Kabarettist Thomas C. Breuer kommt mit neuem Programm nach Trier

KABARETT

Er beißt: Thomas C. Breuer mit neuem Programm auf Tour

Trier. Längst gehört die Fussel-WG in der Jakobstraße für Thomas C. Breuer der Vergangenheit an. Vergessen hat er seine Zeit in der Domstadt allerdings nicht. Jetzt kommt der 50-jährige Schriftsteller und Kabarettist wieder in seine einstige Heimat - mit einem "bissigen" Programm: "Piranha Sushi" hat er die Jubiläumstour genannt, die am 7. März um 20 Uhr Station im kleinen Tufa-Saal in Trier macht.

In Trier sind Sie kein Unbekannter. Was verbinden Sie heute mit Ihrem zeitweiligen Zuhause?

Breuer : Gute Freunde habe ich hier natürlich noch. Außerdem fühle ich mich wohl in Trier. Habe sogar schon überlegt, meinen Alterswohnsitz nach Trier zu verlagern. Schließlich durfte ich bei der Buchhandlung Behrens meine Ausbildung zum Buchhändler beenden. Viereinhalb Jahre hat mich diese Stadt geprägt, bevor ich mit dem Tingeln angefangen habe.

Sind Sie nicht in dieser Buchhandlung entdeckt worden?

Breuer : Richtig entdeckt worden bin ich nie. Ich durfte ein Jahr bei der Edition Trèves arbeiten und habe dort mit Thommie Bayer "Wir, die wir Mitten im Leben stehen" 1977 veröffentlicht. Große Erfolgsphasen und weniger große wechselten sich ab. Aber ich bin immer noch da. Ich lebe immer noch vom Schreiben und schließlich sind steile Karrieren nach beiden Seiten steil. Manche Dinge mache ich einfach nicht. So kann ich getrost in den Spiegel schauen.

Haben Sie das kabarettistisches Handwerkszeug von Ihrem WG-Kumpanen Provo gelernt? Dem gestehen Sie in Ihrem Buch "Sekt in der Wasserleitung" grenzenlosen Zynismus zu.

Breuer : Eigentlich nicht. Vor Trier 1976 machte ich Musik in Koblenz mit eigenen Texten. Außerdem bin ich im Hotel groß geworden. Da ist das tägliche Leben kabarettistisch. Mein größter Einfluss kommt zweifellos von Hanns Dieter Hüsch. Die Fähigkeit, sprachliche Konstruktionen zu hinterfragen, bewundere ich an dem Schweizer Kabarettisten Franz Hohler. Ihm verdanke ich viel für meine künstlerische Entwicklung.

Sie hatten damals vor allem Angst, ein Spießer zu werden. Sind Sie einer geworden oder ein Kaffeehausrevoluzzer geblieben? Breuer : Ab einem gewissen Alter stellen sich solche Fragen nicht mehr. Vielleicht ist manches an mir mittlerweile spießig. Das kann ich nicht beurteilen. Andere Themen sind wichtiger geworden. Zumindest bin ich stolz darauf, kein herkömmliches Leben zu führen. Ich mache das, was mir Spaß macht und arbeite dabei wahrscheinlich wesentlich mehr als andere. Aber das ist eben nur für mich. Und ich mache es gern. Der Kaffeehausrevoluzzer stammt noch aus der Zeit, als ich oft im Kaffeehaus Romane geschrieben habe. Die Art zu schreiben hat sich verändert. Zu Hause wird ausgearbeitet, die besten Ideen kommen mir in der Bahn. Ich bin ein notorischer Zugfahrer.

Am Donnerstag treten Sie in der Tufa auf. Würden Sie lieber vor der Porta Nigra spielen - der alten Straßenmusikerzeiten willen? Breuer : Nee. Kabarett gehört nicht unter freien Himmel. Da verpufft was. Ich bin gern in der Tufa und ärgere mich sogar darüber, dass es so etwas früher in Trier nicht gegeben hat. In Heidelberg, wo ich lebe, findet sich nichts Vergleichbares. Die Tufa ist klasse. Ich bin aus Trier unter anderem nur weggegangen, weil es eineinhalb Stunden dauert, um überhaupt irgendwo zu sein. Sie feiern in diesem Jahr Ihr 25. Bühnenjubiläum. Was erwartet die Zuschauer?

Breuer : Eigentlich hatte ich ein Best Of geplant. Das war mir aber doch zu langweilig. Deshalb kommen jetzt nur zwei oder drei alte Texte, der Rest ist neu. Im Prinzip geht es um's Essen, Kochen, Kochsendungen, viel über Biolek und die Bedeutung solcher Shows für die Gesellschaft.

Sie haben Ihr Programm "Piranha Sushi" genannt. Beißen Sie etwa?

Breuer : Wenn, dann nur versteckt. Ich bin kein plakativer Mensch. Die Leute sollen selber nachdenken. Vielleicht bin ich deshalb weniger durchs Fernsehen bekannt, denn dort werden die Leute für blöd gehalten. Ich habe das Gefühl, das Publikum honoriert es, nicht für dumm verkauft zu werden. Natürlich beiße ich.

Gibt es Zukunftspläne?

Breuer : Im Herbst erscheint "Paradies etc.", ein Buch mit Kurzgeschichten. Außerdem arbeite ich an einem Roman, übrigens zum ersten Mal eine Liebesgeschichte. Ein Schweiz-Buch ist in der Mache und eines über das Bahnfahren. Das Kapitel Bücher ist ein wichtiges für mich. Das hat mir immer am meisten Freude bereitet.

(Oliver Ruf, März 2002)

Aktualisiert am 09.09.2009