Mit offenen Augen in die nahe Ferne

Fotofinnisch: Thomas C. Breuer zeigt fremder Länder schräge Sitten.
© Hagen Schönherr
Thomas C. Breuer klärt in der Riegeler Kumedi über die Tücken des Reisens auf
RIEGEL. Thomas C. Breuer ist Weltreisender, böszüngiger Satiriker und Stammgast in der "Kumedi" . Kurz vor dem Sprung über den großen Teich stattete er seiner Lieblingsbühne am Samstagabend zur Freude des Publikums noch einen Besuch ab: "See you later, navigator" lautete das Motto des unterhaltsamen Programms im Riegeler Theater.
"Der Lacherfolg aus Riegel jetzt in New York" : So in etwa muss sich Thomas C. Breuer seine Karrierezukunft vorstellen. Denn Breuer, im normalen Leben auch Reisejournalist, zeigte am Samstagabend sozusagen sein Abschiedsprogramm vor der geplanten USA-Reise, die ihn nächste Woche schon nach Texas (dieser US-Bundesstaat mit der Barbecue-Kultur und gelegentlich dem Sinn fürs Grobe) führen wird. "See you later, navigator" versprach er den Abschied schon zu Beginn, um daraufhin dem Publikum die gemeinsten Wahrheiten über bekannte und unbekannte Reiseziele vorzutragen.
Deutschland, Schweden, Schweiz, Finnland, Indien, Griechenland und Italien ... Breuers Liste über unseren Kontinent war lang und aufschlussreich. Keine schlechte Idee, einfach der europäischen "Achse des Bösen" den Rücken zuzudrehen und Zuflucht in einem Land zu suchen, dass vorbildliche Terrorprophylaxe betreibt. "Planen Sie, einen terroristischen Anschlag zu verüben?" muss schließlich jeder Einreisende ins "Land der unbegrenzten Scheußlichkeiten" schon im Flugzeug ehrlich mit "Nein" beantworten, um überhaupt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten hineingelassen zu werden. Im alten Europa wird man sich da wundern, schließlich stehen uns im chinesischen Jahr des Schweines 365 Tage fortwährender Verletzung religiöser Gefühle bevor. Selbst im Fernsehen machen neuerdings junge Ferkel Werbung für den neuesten Elektronik-Krams, dass einem schon ohne religiöse Einsichten schlecht wird. Da hilft auch nicht, dass "Frontschwein Bohlen" nun im gefühlten 10 Jahr versucht, den nächsten medialen Superstar zu krönen, witzelte Thomas C. (Casanova?, Christoph?, Curti?, Cosmopolit?) Breuer.
Seit bereits 15 Jahren tritt er in der Kumedi auf. Am Samstag stieg er aber nicht nur auf den ohnehin gefragten Amerika-Zug auf. Ganz in der Nachbarschaft wurde er ebenso fündig. Ist ja auch kein Problem, schließlich gibt es keine 100 Kilometer von hier Ampeln, die ein beherztes "Fußgänger drücken" fordern und niemand schämt sich, im Ramschverkauf die Kunden mit einem weithin sichtbaren Schild "Liquidation Herren" zu ködern.Und mit dem Segen des bayrischen Schutzheiligen St. Euber gelangt man in nur zehn Minuten vom Hauptbahnhof in München bestimmt auch nach Zürich.
Mit Thomas Breuer hat Kumedi-Leiter Klaus Spürkel einen Klassiker auf die Bühne geholt, der dem Hausherrn sichtlich Freunde bereitete. Nicht nur, weil die beiden sich noch aus Zeiten kennen, in denen Radio-Beiträge länger als 23 Sekunden dauern durften. Breuer hat einfach seinen Weg jenseits des weichgespülten Comedy-Mainstreams gefunden. Ein Mann, der erstens eine kuriose Begabung für Wortspiele hat und sich dennoch traut, auch heiße Eisen anzufassen. Nun muss er nur noch den Anzug wechseln.
aus der Badischen Zeitung vom Donnerstag, 18. Januar 2007 (Hagen Schönherr)