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Breuer Falls

Bild in Originalgröße
Foto: Thomas C. Breuer
Gestaltung: Frank Hugger, Rottweil

Am Mittwoch letzter Woche stellte der aus Bad Ems stammende Kabarettist Thomas C. Breuer sein 20. Buch "Rhineland Falls" im Mainzer Kabarett-Archiv vor. Das Bändchen mit Reiseberichten, Seitenhieben auf Bürger und Bimbes, sowie einer Hörprobe auf CD, ist eine satirische Köstlichkeit, so etwas wie ein Reiseführer durch die Region "Weck, Worscht& Woi". Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hat sein Wohlgefallen ausgedrückt und vermutet, dass den Autor eine große Liebe mit unserem Bundesland verbinde.

"Talent zur Idylle geht mir ab", schreibt Thomas C. Breuer in seinem Hörbuch. "Ich war immer so etwas wie ein Globetrotter im tapferen kleinen Bundesland, kurz tkB" sagt der Kabarettist mit einem Anflug von Melancholie. Er erinnert sich an seine Jugend in Bad Ems. Dem Deutschunterricht am Goethe-Gymnasium war er offenbar gar nicht wohlgesonnen. Wenn die Deutschlehrerin, erzählt er zähneknirschend lächelnd, mit einem Sack voller Reclamhefte erschienen sei und ihn und seine Mitleidenden zu einem "dämlichen Werk, das bis zu einem bestimmten Termin durchzuackern war" genötigt habe, sei seine gute Laune mit der Lahn davon geschwommen. Manchmal auch das Heftchen samt einem Ehrfurcht gebietenden Goethe auf dem gelben Cover.

Thomas Breuer ist der Sohn eines Hotelpächterehepaares. Nach der Schule verköstigten ihn die Köche. Bald verging ihm der Appetit. Dort habe es halt keinen "Albert Schweitzer der Küche" gegeben, keinen "il papa del gusto" wie Alfred Biolek. "Was ich da beobachtet habe, macht mir heute noch zu schaffen, wenn ich auf Reisen bin und gezwungen in Restaurants zu essen", bekennt er freimütig und ohne Angst vor verjährter Verfolgung.

"Kam bei uns ein benutztes Geschirr mit intakter Deko aus dem Service zurück - wusch - landete das Salatblatt auf dem nächsten Teller, der wieder raus an die Front musste", witzelt er gallig in seinem Buch. "Bei geschickter Umverteilung kommt ein mittlerer gastronomischer Betrieb lässig mit 15 bis 20 Dekosets aus - im Jahr." Weitere Appetizer kann man in "Rhineland Falls" genießen, ohne sich gleich zu erbrechen.

Natürlich übertreibe er, gibt Breuer zu. "Ich bin ein Kabarettist. Karikaturen sind legitim", sagt er. Seine Gedächtnisreise auf der Suche nach der verlorenen, das heißt vergangenen Zeit in Bad Ems, Koblenz und Trier, ist melancholisch durchwachsen, gespickt mit satirischen Marginalien, zum Totlachen schön, aber auch einigermaßen kritisch. Wenn Breuer sich in einer von ihm frei erfundenen "Kohlworld"-Ausstellung im Hasslocher Holidaypark lustig macht über Berliner Mauerreste en Bonsai und angeblich aus Marzipan geformte Eisenbahnschienen , auf denen Helmut Kohl von Oggersheim nach Heidelberg ins Kaffee Schafheutle gefahren sei, dann bluten doch die Herzen aller pfälzischen Strickjacken- und Saumagen-Gourmets? Das ist gar nicht nett, oder? "Aber lustig," sagt Breuer. Seit Kohl bezahlten die Pfälzer ja auch mit Bimbes. Und die bis heute nicht gefundene Kohle, meint Breuer, habe Kohl schlicht und einfach aufgegessen. Basta.

Bevor Breuer im vergangenen Jahr nach Rottweil umzog, hatte er viele Jahre in Heidelberg gewohnt. Deshalb kennt er die Strecke nach Trier, wo er einst eine Buchhändlerlehre absolvierte, aus dem Effeff. Seine in "Rhineland Falls" gesammelten Bummelbahnfahrt- Eindrücke zwingen die Leser auf den Boden vor Lachen. Thomas C. Breuer ist ein notorischer Deutsche-Bahn-Nomade. Aber auch ein Abenteurer in den Staaten. 30 Reisen durch USA hat er zu verbuchen. Dabei hat er Käfer gesammelt, liebevoll fotografiert und ein wunderschönes Buch geschrieben über sie und die Veteranen, die sie besitzen. Natürlich nicht über Käfer aus den Maisfeldern, sondern aus Wolfsburg.

Rheinland-Pfalz habe er eine Menge zu verdanken. Kurt Beck hat ihn anlässlich der Eröffnung der Rheinland-Pfalz-Vertretung in Berlin zu einer Lesung eingeladen. Zehn Jahre lang moderierte er das Blues-Festival in Lahnstein. Viele Jahre hörte man seine Stimme republikweit im Radio. 2100 Kabarettauftritte hat er auf dem Buckel. Und jetzt setzt sich der gerademal 53 Jahre junge Kabarettsprinter zur Ruhe? "Nein, auf keinen Fall", sagt er, "mittlerweile hat mich die Schweiz entdeckt. Ich gastiere in Theatern und beim Fernsehen, unter anderem auch bei Eschbachers Talkshow". So wird er sich vom "tkB" entfremden? "Nein, das tkB ist eine Heimat für mich, und im Gegensatz zu anderen Ländern ein Land des Lächelns und kein Mekka des Mega-Jammerns", sagt Thomas C. Breuer und grinst leicht diabolisch. "Rheinland - Pfalz ist anders. Lachen ist ein Stadtteil von Neustadt, das kurioserweise an der Weinstraße liegt" liest man mit Vergnügen in "Rhineland Falls".

Info: "Rhineland Falls" ist beim Speyerer Marsilius Verlag & Palatina Viva Mutterstadt erschienen und kostet 19,50 Euro

© Die Rheinpfalz. Von unserem Mitarbeiter Gerd Kowa

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Aktualisiert am 09.09.2009