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Hitze in Dosen

der komplette Einband in Originalgröße
Gestaltung: Frank Hugger, Rottweil

Rechtzeitig zum 30jährigen Bühnenjubiläum erschien das neue Buch von Thomas C. Breuer - eine Sammlung von Geschichten, die alle mit Musik zu tun haben: Blues und Country, Gangsta Grass und New Age, Salsa und Opera, und eine Geschichte über keine Musik, was ja auch erholsam sein kann. Jeweils zwei Geschichten sind aus "Sekt in der Wasserleitung" und "Paradies, etc." (stark überarbeitet), zwei weitere waren Beiträge zu Anthologien, der Rest ist neu.

Dieses Buch soll irgendwelche blöden Memoiren ersetzen, der Mann ist ja erst Mitte fünfzig, und weil sein Leben nicht so reichhaltig ist wie das von Paris Hilton, hat er beschlossen, seine Erinnerungen zu faken. Teilweise jedenfalls. Welche Passagen frei erfunden sind, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.

"Songs gehörten und gehören zu meinem Leben, auch wenn es pathetisch klingt. Einem Unterwegsmenschen, der unablässig akustischen Müllattacken in Taxen, freudlosen Frühstücksräumen oder Cafés ausgesetzt ist, dient Musik dem Überleben in einer feindlichen Umwelt: Transportable Heimat, Schutzschild. Hintergrundmusik gibt es leider für mich nicht. Daher brauche ich auf Reisen Songs, die mich wie einen Kokon umgeben, und zu Hause welche, die die Vorhänge aufziehen, die Fenster aufblasen und die Tapeten runter rollen."

Michael Tiefensee für den FOLKER!:

Vor vielen Jahren reiste der in Rottweil lebende Kabarettist und Schriftsteller Thomas C. Breuer mit Thommie Bayer durch die Lande, um mit einem Schweizer Kollegen ein Programm zu präsentieren, welches „Drei Männer, die sie Pferd nannten“ hieß. In diesem Jahr ist Breuer abermals mit Thommie Bayer unterwegs, und zu ihnen gesellt sich noch Bernhard Lassahn. Zu dritt haben sie mit „Kennedy starb vor Winnetou“ ein neues Programm aufgelegt. Und zeitgleich, quasi als Vor- oder Nachbereitung, gibt es ein Jubiläumsbuch, denn Herr Breuer hat was zu feiern: nämlich sein 25. Buch zum 30jährigen Bühnenjubiläum. Und weil Thomas C. Breuer einen erlesenen Musikgeschmack hat, der Folkklänge und „roots-orientierte“ Singer-/Songwriter ebenso umfasst wie die vor einiger Zeit als vermeintlich neue stilistische Kategorie geprägte „Americana“-Musik, ist sein neues Buch ein Fall für den FOLKER!. Den Kapiteln sind obendrein Zitate von Songs voran gestellt, die aus der Feder von Zeitgenossen wie Richard Thompson, Warren Zevon, Mississippi John Hurt oder Julian Dawson stammen. Oder, was besonders lobenswert ist, von Danny O'Keefe, einem der besten und beständigsten Singer-/Songwriter dieses Planeten. Mit dem in Seattle lebenden O'Keefe ist Breuer seit längerer Zeit befreundet, und in Seattle ist auch zugleich die längste und auch berührendste Geschichte dieses knapp 190 Seiten starken Bandes angesiedelt. Auf mehr als 20 Seiten erzählt Breuer darin nicht nur von dem Versuch, eine beendete Beziehung zu - wie manche sagen - `verarbeiten`, sondern auch von einer ganz besonderen Begegnung am Grab von Jimi Hendrix. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur sei erwähnt, dass Breuer mit dieser Geschichte nicht zum ersten Mal belegt, dass seine Texte keineswegs immer nur `komisch` sein müssen, um nachhaltige Wirkung zu entfalten. Überhaupt nervt es ja bisweilen, wenn Leute immer nur `witzig` sein wollen, eine Angewohnheit, die man bei vielen Kabarettisten leider auch hinter der Bühne antrifft. So oder so: Das Buch empfiehlt sich für Leute, die Freude an handgemachter, anglo-amerikanischer Musik haben, denn sie werden viele Übereinstimmungen und Bestätigungen der eigenen stilistischen Vorlieben entdecken. Obendrein gönnt Breuer seinen Lesern Einblick in eigene Favoritenlisten und Inselsongs – und zudem ist das Buch garantiert nix für Menschen, die „von Geigen unterspülte Panflötenmusik“ mögen. Die und Fans von Andre Rieu seien hiermit vor diesem wunderbaren Buch eindringlich gewarnt!

Rolling Stone, März 2008:

(Literatur-Tipp von Frank Schäfer)

Hitze in Dosen (Maro, 14 Euro) von Thomas C. Breuer versammelt dessen musikalische Konfessionen, und die sind zwar ziemlich down to earth und durchaus konservativ - er hört die internationale Folklore, Blues, Alternative Country, Bluesgrass, Salsa -, aber dadurch nicht minder passioniert und vervig vorgetragen. Breuer ist kein Musikjournalist, sondern ein Addict, ihn interessieren nicht die musikhistorischen Fakten, sondern in erster Linie das, was die Musik mit ihm anstellt - und er kann so plastisch davon schwärmen, dass man zumindest eine Ahnung davon bekommt, was ihn da im Herzen bewegt. Damit steht und fällt ja immer noch jeder Versuch, das Hörereignis in Sprache zu transformieren. Und dann erzählt er noch ein paar autobiografische Geschichten, melancholisch temperiert, aber auch immer wieder von Pointen aufgehellt - und hart an der Grenze, wo die Realität den Schlagbaum für die Fiktion öffnet. Etwa die wunderschöne Story von seiner ersten Begegnung mit dem jungen Bob Marley, noch vor seiner messianischen Phase, der als Masseur der jamaikanischen Fußballnationalmannschaft in Deutschland weilte und leichte Blessuren und Verspanntheiten mit einem langen Zug aus der Tüte ad hoc therapierte. Ist doch egal, ob das stimmt oder nicht.* * *1/2

FOCUS Nr. 2, 07.01.2008:

(Literatur-Tipp von Hajo Steinert, Leiter der Literaturredaktion beim Deutschlandfunk in Köln)

"Ich empfehle Hitze in Dosen von Thomas C. Breuer (Maro). Herrlich sentimentale Geschichten eines Mannes Mitte 50, der das muffige Leben in der Provinz in den musikversessenen Siebzigern ohne Blues und Bluegrass, Country und Folk, Canned Heat und Hendrix nicht überstanden hätte. Seit Nick Hornby die sehnsüchtigsten, leidenschaftlichsten, erinnerungsseligsten Beschwörungen einer Zeit, deren Sounds niemals vergehen. Jede Zeile wie eine Rille auf den alten Scheiben aus Vinyl."

Freitag, 28.12.2007:

Gespräch (mit Besprechung) über "Hitze in Dosen" und Thommie Bayers "Eine kurze Geschichte vom Glück" im Deutschlandfunk.

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Aktualisiert am 22.03.2010