Gubrist, mon amour

«Das ist ein Klischee, ein saublödes!»
Radiohörer kennen den «helvetophilen» Deutschen Thomas C. Breuer aus dem DRS-1-Satiremagazin. Vom Kabarettisten liegt nun das dritte Buch über die Schweiz vor. Achtung: sehr witzig!
[Alexander Sury, Der kleine Bund]
Die oft misstrauisch beäugten Deutschen in der Schweiz werden dieser Tage – König Fussball sei Dank – von einer Welle fast schon unheimlicher Zuneigung überrollt. Der Kabarettist Thomas C. Breuer, wohnhaft im grenznahen Rottweil, kann sich aber noch lebhaft an andere Zeiten erinnern. Gegen hartnäckige Ressentiments half einst auch ein «Assimilations-Crashkurs» mit dem Titel «Wie benutze ich die Waschküche in Einklang mit der Genfer Menschenrechtskonvention?» herzlich wenig.
Breuer ist seit über 20 Jahren auf hiesigen Kleinkunstbühnen heimisch und mittlerweile auch im DRS-1-Satiremagzin «PET» eine feste Grösse. Als Besitzer eines Halbtaxabos ist der 58-jährige Jäger bizarrer Alltagsphänomene weit herumgekommen.
Nach «Schweizerkreuz und quer» (2001) und «Schweizerfahren» (2005) versammelt er nun in «Gubrist, mon amour» (Verlag Knapp) weitere Erkenntnisse seiner helvetischen Feldforschungen. Den «Swiss Pass One Day» der SBB für 95 Franken hat Breuer sich natürlich nicht entgehen lassen. Der Berner Hauptbahnhof erschien ihm dabei «unterirdisch gefährlich», nachdem er an einem Bekleidungsgeschäft mit aufkeimender Panik den Aufkleber «Liquidation Herren» passiert hatte. In Bolligen fühlte er sich bereits sicherer, der Reisende war fasziniert von der «geballten poetischen Kraft eines einfachen Strassenschilds: Flugbrunnenstrasse». Leider konnte ihm niemand erklären, was ein Flugbrunnen ist. «Daher Bolligen ab 07.42.»
Der Autor empfindet unübersehbar eine unerschütterliche Grundsympathie für die Zielscheibe seiner satirischen Pfeile: In der Titelgeschichte, Doris Leuthard gewidmet, preist er die «Selbstversenkungsmöglichkeiten» unserer zahllosen Tunnel angesichts all der «aufdringlich pittoresken Alpenpanoramen». Der Autor kommt aber nicht umhin, hinter die «triebhafte Bohrbesessenheit» aus freudianischer Warte ein Fragezeichen zu setzen. Beim besagten Gubristtunnel sollen, so weiss Breuer zu berichten, in naher Zukunft weitere Röhren gebaut werden: «Eine Richtung Bern, zwei Richtung St. Gallen. Wäre ich Berner, würde mir das allerdings zu denken geben.»
Knapp Verlag
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© Der Bund; 08.07.2010; Seite 36