Gebbesemergradamoladschabadda!
Mensch und Buch: Thomas C. Breuer am Sonntag im "Bären"Foto: al
Thomas C. Breuer im Deisslinger "Bären"
DEISSLINGEN, 17. Oktober - Mit reichlich Wortwitz und ironischen Spitzfindigkeiten hat der Kabarettist Thomas C. Breuer am Sonntagabend im Deißlinger Gasthaus und Kultur-Ort "Bären" begeistert. Im aktuellen Programm "La teutsche Vita" geht der Ex-Heidelberger und Wahl-Rottweiler einem Sehnsuchtsziel der Deutschen nach: dem viel beschworenen, viel besungenen "Bella Italia".
Den zahllosen Elogen auf unsere transalpinen Nachbarn den seit Kaisern und Pilgern, Winkelmann und Goethe nicht zuletzt Millionen Duchschnittsdeutsche immer wieder die Aufwartung machen, fügte Breuer jedoch keine neuerliche Lobeshymne hinzu. Das wäre nicht seine Art. Das wäre einfach zu zahnlos. Und in der Kukident-Phase ist Breuer auch nach 27 Bühnenjahren noch lange nicht.
Ihm ist "das Land, wo die Zitronen blüh'n" (der geheime Rat aus Weimar) einerseits Objekt der Beobachtung. Doch auch platte Schmähungen - wie sie wegen ausfallenden Bemerkungen und ausgefallenen Kanzlerferien in maßgeblichen Gazetten en vogue kommen können -, lässt Breuer nicht vom Stapel. Freilich, ein Allitalia-Flugbegleiter darf noch vor dem Take-Off mit drollig nachhallenden Vokalen um eine Sonderspende für den Sprit bitten und beim Köln-Milano-Flug den Umweg über Aserbaidschan entschuldigen. Sogar "Lift-Boy Berlusconi" bekommt einen Kurzauftritt. (Derzeit haben uns die Italiener übrigens wegen der Sicherheitsratsgelüste von Joschka und "Geaaad" mal wieder nicht mehr lieb).
Vor allem aber ist das Welschland dem Kabarettmacher ein Spiegel des Hiesigen. Im (vermeintlich) Fernen zeigt sich das Nahe und Eigene eben oft doppelt deutlich. Und so darf der Gast sich freuen über ein dichtes Geflecht von Anspielungen und Hintergründigkeiten. "Sole", "mare" und "amore" heißt bei den Nachbarn klangvoll, was wir saftlos trübe "Höhensonne", "Ostsee" und "Beziehung" nennen. Der Ton macht eben die Musik. Und die Einstellung zum Leben viel aus.
Auch mit dem ungeraden Campanile lässt sich vortrefflich hierzulande schiefes piesaken, etwa wenn ein Intelligenzbolzen wie Dieter Bohlen aus dem Nähkästchen plaudert, er esse am liebsten Italienisch - "zum Beipiel Sushi", oder man im Alltagsdeutsch "alla arrabiata" mit "alles arabisch" übersetzt.
Von dieser Sorte gibt es nicht allzu viele: Leute, die das Wort wirklich beim Wort nehmen, die mit Bedeutungs-Oberfläche, mit tiefem Sinn und (zuweilen doppelbödigen) Doppeldeutigkeiten Vexierspiele betreiben - und mit dem Angetippten oder unüberhörbar Ungesagten genau ins Schwarze treffen. Bei Breuers scheinbar lockeren und dabei höchst clever verdichteten Plaudereien mischen sich dann manchmal regelrecht ätzende, kulturpessimistische Gesellschaftskritik, gallig-lustvoller, Humor und heller Spaß an jovialer Blödelei. Okay, wenn Breuer den Papst in einem Nebensatz als "Zöli-Batman" betitelt, oder eine teutonische Getränkeherbringerin schlüpfrig "na, auch net Latte?" fragen lässt, biegt sich nicht unbedingt jeder vor Lachen. Aber wenn er in nöligstem Kurpfälzisch nach italienischem Kräuterbrot verlangt, sagt das mehr über uns und "unser Italien" aus, als manche schlauen Analysen. Und es ist obendrein einfach urkomisch, dieses "Gebbesemergradamoladschabadda!" Wer könnte da "Bella Italia" noch untreu werden, etwa mit einem schnöde französischen "Grasso"?!
Von Andreas Linsenmann