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Lesen Sie doch grad, was Sie wollen >> Meanweil in Rottwhile:

Mein schönstes Ferienerlebnis

Vergangene Woche haben sie wieder stattgefunden, die Fürstlichen Gartentage zu Donaueschingen. Wer’s drauf anlegte, konnte dort Damenbekanntschaften von erlesener Güte machen, musste dafür allerdings diese Hüte in Kauf nehmen. Falls Sie sich je gefragt haben, wo in aller Welt man diese Hüte tragen kann, die gelegentlich durch Modenschauen geschaukelt werden: Nun, entweder bei anderen Modeschauen oder eben bei den Fürstlichen Gartentagen, die vor zwei Jahren noch unter Home & Garden firmierten.

Ganze Landschaften von Hüten – portable Fruchtkörbe, Stilleben mit Stoffvögeln, Miniatureisenbahnen, Mühlräder mit absurden Applikationen – werden da rund ums Schloss ausgeführt, ein Hauch von Ascot, nur ohne die Pferde. Die hat man des Anlasses halber hinter das Schloss verbannt. Die weißen Gatter sehen ein bisschen nach Kentucky aus, sind aber aus Plastik. In Kentucky womöglich ebenfalls.

Hier trifft sich der gehobene Mittelstand, der von je her die gutaussehenden, wenn auch rasch gelangweilten Damen aufgesogen hat. Die älteren unter ihnen sind aufgebrezelt wie zum Kurkonzert, man vermisst nur die zusammenklappbaren Sitzkissen in Brokat. Die Jüngeren schweben luftig daher.

Würde man hier nun einen Stand eröffnen, an dem man ganz arg authentisch elysische Düfte fabriziert oder verarbeitet, mindestens toskanischprovençalisch, notfalls kretisch, auch Mallorca soll über recht glaubwürdige Winkel verfügen, würde man folglich an so einem Stand an Seifen, Kissen oder Kerzen werkeln und diese Tätigkeiten als „work in progress“ zelebrieren, selbstredend in einem natürlichen Outfit, ein wenig zottelig, braungebrannt, urwüchsig, mit Schürze und Strohhut, dürfte zügigen Bekanntschaften nichts im Wege stehen, vor allem, während die Ehemänner der Hutträgerinnen stoisch ihre Runden ziehen, um gemeinsame Golferlebnisse durchzudiskutieren und die kleinen Feudel zu bändigen, die das Kriterium Hund nur knapp verfehlen.

Schwerer Blütenduft von neuen Rosen liegt über dem Geläuf. Ja, hier sieht man rosa Polohemden in freier Wildbahn nebst den dazugehörigen karierten Hosen, wobei ihre Träger in ihren Gutsbesitzermienen auch eine dezente Abscheu zur Schau stellen, um nur ja nicht für schwul gehalten zu werden. Man geht übrigens nicht, man schreitet aus, auf großzügig angelegten Wegen, breit genug, damit man nicht den Hüten in die Quere kommt.

Den Veranstaltern gelingt es, sämtliche Connaisseurs und Africionados der Region Heuberg zu versammeln, tatsächlich, darauf deuten die Nummernschilder hin, ist das Einzugsgebiet sogar größer, und ob hier wirklich Kenner flanieren oder nur Überflieger, die Bacardi für einen Rum halten, der Frage muss man nun nicht unbedingt nachgehen. Edel sei das Material, hilfreich und gut.

Ich wusste gar nicht, dass Jaguar Rasenmäher baut, selbstmähende, mit eingraviertem Wappen. Schmiedeeiserne Gartentischchen, auf denen kein Umweger- Stich-den-Buben thront, sondern eine Flasche Châteauneuf- du-Pape. Das wäre ebenso ein authentischer, wahnsinnig handwerklicher Beruf: Vorverroster, oder auch: Begrünspäner. Corriger la realité.

Die Zeiten, da Gärten der Nahrungsbeschaffung dienten und Gartenarbeit identitätsstiftend war und noch dazu mit grossen Erkennungspotential behaftet: „So, simmer Orchidee- e am gieße…“ – diese Zeiten sind perdu. Heute konvenieren sie dem Flaneur, und bisweilen dem Parvenu, der mal eben von Konstanz her- ?iegt und sich nach zwei, drei Stunden zum Donaueschingen Metropolitan Airport zurück kutschieren lässt.

Natürlich gibt es auch Stände, an denen die niederen Stände versorgt werden, die Gartenzwerge, natürlich bloß im vorderen Bereich der Ausstellung: „Grillvorführung mit Deutscher Meister Horst Wizemann.“ Wizemann ist sozusagen der Witzigmann der Grillzange.

Nicht ganz unpassend wird der Stand von Engelsfiguren umzingelt. Immerhin sind solche Gestalten geduldet, ist doch schön, wenn der Plebs seine florale Phase ausleben kann. Gerade schwebt wieder ein original authentischer Schmetterling vorbei – der wird morgen ganz schön blöd aus den Flügeln gucken, wenn die ganzen schönen Blumen wieder weg sind.

©Thomas C. Breuer Rottweil 2007, veröffentlicht in der NRWZ "Glosse" am 27.07.2007

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Aktualisiert am 09.09.2009