Äusserst gelungene Deutschlandpremiere
Thomas C. Breuer überzeugt mit "Ein-Mann-Kabarett" im halsbrecherischen Tempo im "Cappuccinokloster"
Haslach (csa). Das Wichtigste vorweg: Wiedergeben kann man den Abend, den der Heidelberger Autor und Kabarettist Thomas C. Breuer im "Alten Kapuzinerkloster" von Haslach gab, sowieso nicht.
Die über zweistündige Darbietung eines einzelnen Künstlers ist schon ob ihres schier halsbrecherischen Tempos kaum zu beschreiben. Thomas C. Breuer verstand es bei dieser äusserst gelungenen Deutschlandpremiere seines Programms im badischen Haslach, die Königsklasse des Kabaretts, das literarische Kabarett, dem Publikum nahe zu bringen, wie vielleicht kein zweiter deutscher Kabarettist es heute kann. Italien, die Italiener und der Italiener in uns wurden einen kurzweiligen Abend lang beleuchtet.
"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen!", so begann der Abend in gefährlich breitem Goethe-Hessisch, um gleich darauf sich in eine Fülle von sprühenden Wortspielen und scheinbaren Übersetzungskünsten zu entfalten, die den Zuschauer wohlig erschauern liessen. Hanebüchene, doch stets hintersinnige "Flüssegedichte" von der Kinzig bis zum Po, ein abenteuerliches Nudelquiz, echte Biolek-Zitate im Dutzendpack und Sätze, die sprachlich dem Publikum alles abforderten, um sie wirklich geniessen zu können, wechselten in einem Tempo, das nur noch in der Einheit "Wortkaskaden pro Minute" angegeben werden könnte. "Wursto con Krauti" als Leibspeise der Menschen in Rimini, das Gegenstück zu Eros Ramazotti, das ja eigentlich nur "Triebhart Stonsdorfer" heissen könne, ist "Pannetone" wirklich nicht mit "Tonausfall" zu übersetzen und heisst der italienische Schnellkochtopf nicht doch "Garibaldi" … - allein wie Breuer die Tatsache, dass Urlaubsrezepte zu Hause niemals "originale" schmecken können, als Plattform einer Minisatire nutzt, die jedem deutschen Zeitungsfeuilleton gut anstünde, hätte den Abend bereits lohnenswert gemacht: Man muss die Kräuter nämlich täuschen, damit sie glauben, sie seien zu Hause und nicht im kalten Norden, dann klappt's - und wenn nicht, schmeckt der Lammrücken halt nur nach Bandscheibenvorfall und die Fischsuppe nach Binnenalster. Breuer verwandelte sämtliche nur denkbaren Italienklischees in Windeseile in hintergründig-niveauvolle Sprachspiele.
Und wer, ob des irrsinnigen Tempos, in dem sich das Ganze in Haslachs ehrwürdigem "Cappuccinikloster" abspielte, nicht alles verstanden hatte, der sei beruhigt, bei Breuer reicht es für einen vergnüglichen Abend völlig aus, nur drei Fünftel erfasst zu haben. Die restlichen zwei Fünftel gehen direkt ins Unterbewusstsein und werden noch nach Wochen bei vielen nachwirken.
Ein Abend der Extraklasse vor fast ausverkauftem Hause belohnte so das Haslacher "Klik"Team für die gelungene Wahl dieses Ausnahmekabarettisten.
Schwarzwälder Bote, Ausgabe Kinzigtal vom 25.03.2004 Nr. 71
