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Kabarett bringt den Saal zum Kochen

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Thomas C. Breuer und Jochen Malmsheimer stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne

Warum schmecken uns die Mittelmeerspezialitäten wie Linguine alle Vongole (Bandnudeln mit Venusmuscheln) und Sella d'agnello con crosta d'erbe (Lammrücken mit Kräuterkruste) nur in Europas Süden? Warum versetzen sie uns, selbst wenn wir sie mit den gleichen Zutaten nachkochen, zu Hause nicht mehr in die gleiche ekstatisch-wohlige Urlaubsstimmung? Ganz einfach, den Zutaten fehlt ihre heimische Atmosphäre! Da hilft nur eins: die Kräuter, Öle und Gemüse überlisten und mit Hilfe mediterraner Tupftechnik an den Wänden, Zypressen hinter und Glasbläserei vor dem Fenster sowie einem musikalischen Hintergrund aus Zikadengeschrei und Ziegenmeckern auf einem gekachelten Tisch mit Eisenfüßen zubereiten. Schon schmeckt der Lammrücken nicht mehr nach Bandscheibenvorfall, sondern nach Freiheit.

Kabarettist Thomas C. Breuer ist ein genialer Wortjongleur. Seine kulinarischen Erkenntnisse, seine Beobachtungen über den Tellerrand hinaus sind so köstlich, dass sich kein Sättigungsgefühl einstellen will. Das Publikum im Brunosaal war begeistert, wenn er und sein Sparringspartner Jochen Malmsheimer sich die Bissen zuwarfen. Dabei machte die Geschwindigkeit, mit der Fragen wie „Ist das Baguette ein Krustentier?“ und „Ist Staudensellerie ein Imperativ?“ an den Ohren des Publikums wie geplatzter Mais vorbeischossen, die Aufnahme aller Finessen fast unmöglich. Gerne möchte man an mancher Stelle das Programm kurz zurückspulen, um auch ja keine Wortspielerei zu verpassen.

So spitzfindig wie Breuer, so direkt ist sein Kochkollege Malmsheimer, mit dem er erstmalig gemeinsam auf der Bühne stand. Malmsheimers Spezialität ist es, dem Volk aufs Maul, anstatt ins Maul zu schauen. Seine blumige Schilderung frühpubertärer Kellerfeten-Erlebnisse mit Lambrusco und Nudelsalat waren ebenso ein Genuss wie seine griechischen Urlaubskatastrophen. Erfahrungen, die mancher Besucher selbst gemacht hat. Das Publikum lachte Tränen. So unterschiedlich die beiden in ihrer Art und Weise sind, so ergänzen sie sich doch hervorragend. Nicht nur bei der gemeinsam gesprochenen Hommage an ihren verstorbenen Lieblingskabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Die zwei sind ein neues Duo, das hoffentlich noch oft das Publikum so schön zum Kochen bringt.

Anja Elsen, 15. April 2010 Kölner Stadt-Anzeiger
www.kultur-koeln.de
www.brunosaal.de

Aktualisiert am 19.01.2011